v.a. Beach Blvd

Ich kann mir kaum eine poppigere, sonnigere, mehr nach Kalifornien klingende Compilation vorstellen als Beach Blvd! Die Simpletones, eine „Show Band“ mit drei Sängern und choreographierter Bühnenperformance, liefern die schönsten, kaputten Teenage-Popsongs der Welt (über Dates, Discos und Downers); Rik L Rik, Sänger von F-Word und große Liebe von Darby Crash, spielt geilen garagigen Punk; The Crowd sind einfach nur ein irres Brett an Powerpop!

Popmusik!

Poison Girls / Crass – Persons Unknown / Bloody Revolutions 7″

Ende der 70er bis Anfang der 80er waren Crass und die Poison Girls wohl so etwas wie partners in crime. Diese 7″ gehört wohl auch zum besten Output beider Bands! Persons Unknown der Poison Girls ist ein ausgesprochen schleppender, ominös klingender, verstörender Post Punk Song; Crass liefern mit Bloody Revolutions wohl eines ihrer bedeutendsten politischen Statements, dem ich aber nicht unbedingt in allen Details zustimme…

Are you gonna be the big man with a tommy gun?

The Dickies – Paranoid ▪ Hideous ▪ You Drive Me Ape 10″

Keine Ahnung, ob diese 3-Track Promo 10″ Werbung für ihr kurz darauf folgendes Debutalbum sein sollten, ich gehe aber mal davon aus. Drei großartige 77er Punksongs (von 78), incl. eines Covers des Cindy und Bert Hits „Der Hund von Baskerville“! Ganz groß!

Nebel zieht in dichten Schwaden durch das Moor von Forest Hill!

v.a. Bloodstains Across Norway

So, inzwischen habe ich doch noch einen weiteren Bloodstain ausgegraben: Bloodstains Across Norway hat Unmengen an mir unbekannten Bands: Feber und Akutt Inleggelse kannte ich zwar schon, aber Rough Trade, Kaage Og Partiet, Norgez Bank, Akutt-80? Norwegen kommt insgesamt um einiges garagiger und ungeschliffener rüber als die anderen Bloodstains, die ich kenne.

Liegen an allen norwegischen Stränden Leichen?

Chaos Z – Abmarsch 7″

Auch wenn er ansonsten nicht viel zum Punk Rock beigetragen hat, mit folgender Aussage hatte Malcolm McLaren definitiv Recht: „In fact a band that can‘t play is better than a band that can“. Die erste Chaos Z 7″ ist dafür der perfekte Beweis! Mies aufgenommen, holperige Musiker, viele Verspieler, primitives Songwriting und „jugendlich naive“ Texte, die in Mundart vorgetragen werden. Alles zusammen genommen absolut großartig! Diese Version ist natürlich das Bootleg aus den 90ern, bin ja nicht Krösus.

Der spielte bekanntlich Bass bei Blut+Eisen.

Asta Kask – Plikten Framför Allt 7″

Wahrscheinlich habe ich schon alles an wichtiger Trivia gepostet, die ich über Asta Kask weiß. Deshalb kurz und knapp: Hammer 7″ aus dem Jahr 1984, praktisch nur Hits!

Hier lang!

Flux Of Pink Indians – Neu Smell 7″

War es der Sänger der Apostles, der die Band als „Crassholes“ und „Flux Of Pink Idiots“ bezeichnet hatte? Keine Ahnung mehr, aber ich glaube schon. Wie dem auch sei, Tube Disasters ist ein Hammersong wenn man bedenkt, dass er gefühlt nur einen Akkord hat.

I want another one, right after the last one!

45 Grave – Black Cross 7″

Wenn ich diese 7″ beschreiben soll, muss ich mich ernsthaft zusammenreißen, nicht meine Tastatur durch Gesabber zu zerstören! 45 Grave waren (sind?) eine absolut großartige Death Rock Band, deren Mitglieder in so ziemlich Allem aus L.A. und Umgebung gespielt haben, was geil war: Germs, Adolescents, Screamers, T.S.O.L., Social Distortion, Nervous Gender, U.X.A., Castration Squad… Die beiden Songs auf dieser 7″ sind beide auf ihre ganz eigene Art genial: Black Cross ist sehr hardcorelastig mit absolut geilen Riffs und einem geradezu unmenschlichen Schrei der Sängerin Dinah Cancer (ist das nicht der beste Name überhaupt?), Wax hingegen ist ausgesprochen schleppend, düster und verstörend.

Genug gesabbert!

Svart Framtid – 1984 ep

Svart Framtids 1984 7″ (stilsicher auch im Jahre 1984 veröffentlicht) war ihre einzige eigene Veröffentlichung. Abgesehen von dieser e.p. hatten sie „nur“ noch Lieder auf unzähligen Tapecompilations. Svart Framtid waren zwar auch nicht wirklich melodisch, aber um einiges weniger stumpf und D-Beat-lastig als viele andere politische Punk- und HC-Bands aus Skandinavien. Die Bandmitglieder waren vorher und nachher unter anderem noch bei Betong Hysteria, So Much Hate oder Kafka Prosess aktiv.

Zwei kaputte Putten. Haha.

Tempo – Roomside Streetside LP

Klar, vieles spricht gegen Tempo: sie waren reich genug, um die Tories von The Jam zu kopieren und sich mit Rickenbackern einzudecken. Sie waren gutaussehende Popper. Sie haben Popmusik gemacht und ihre LP auf einem Major veröffentlicht. Aber hatten sie es deshalb verdient, von den Ätztussis bespuckt und gebissen zu werden? Auf keinen Fall! Zumal ihre Major-LP eine der ersten deutschen Power Pop LPs ist und eine ganze Menge Hits enthält! Nur weil ihr Kreuzberger Asseln keine gewaschenen Hemden mochtet! Also bitte, sowas gehört sich nicht!

Years ago you served my father in the oil wars!

Asta Kask – Aldrig En LP

Angeblich kam der Name dieser LP zustande, weil Asta Kask mit einander vereinbart hatten, nie eine LP zu veröffentlichen: LP – das bedeutet Ausverkauf, Kommerz, Anti-Punk, blöblabla! Deshalb „Aldrig En LP“ = „Niemals eine LP“. Die Platte selbst ist mit zu vielen albernen Funsongs (die man auch als Nicht-Schwede sofort erkennt!) etwas durchwachsen, was Asta Kask auch selbst im Nachhinein in einigen Interviews meinten. Bei einer Laufzeit von über 45 Minuten wäre ohne Probleme möglich, ja geradezu eine Pflicht gewesen, den Spaß wegzulassen! Punk ist ernst zu nehmen! Dennoch…

Niemals eine LP!

Crass – How Does It Feel 7″

Diese 7″ markiert wohl so etwas wie einen Wendepunkt bei Crass. Aus Frustration, dass die Doppel-LP „Christ – The Album“ durch den Falklandkrieg von der Realität überholt worden war, schrieben Crass ab diesem Zeitpunkt vorerst nur noch Songs für 7″es, die als „tactical responses“ auf die damalige politische Lage veröffentlicht werden sollten. Schon durch die Thematik ist diese 7″ im Vergleich zu allen vorherigen Releases ausgesprochen düster, wütend und verzweifelt:

You smile in the face of the death cause you are so proud and vain,
Your inhumanity stops you from realising the pain
That you inflicted, you determines, you created, you ordered -
It was your decision to have those young boys slaughtered.

How does it feel to be the mother of a thousand dead?

Bärchen & die Milchbubis – Jung kaputt spart Altersheime 7″

Und schon wieder ein Meilenstein deutscher Punkgeschichte aus der Scheißstadt Hannover! Den Titeltrack kann wahrscheinlich jede Schnapsdrossel auch noch nach einer Überdosis Pfeffi und Sterni textsicher daher lallen, und auch die drei Songs auf der B-Seite sind geil!

Kann man diese Hypothese eigentlich volkswirtschaftlich belegen?

v.a. Grito Suburbano

Egal wie viele Nachteile und Negatives man auch zusammenwerfen mag, echte Punx schaffen es, dass etwas Positives dabei raus kommt: bitterarme Kids, die in einer Militärdiktatur leben, nehmen Anfang der 80er mit mäßig gestimmten Schrottinstrumenten und mieser Technik unter primitiven Bedingungen ein paar ihrer Songs auf, und heraus kommt eine Compilation, die weltweit abgefeiert wird!
Inocentes machen mid-tempo Punk, Cólera Mitgröhl-HC und Olho Seco primitivsten, brachialen Thrash. Geil!

„Schreie der Vorstadt“

The Rude Kids – När Sommaren Hittat Till Stan 7″

Was Punk betrifft hatten die Kids in Schweden schon sehr früh den Dreh raus. The Rude Kids hatte schon 1978 mit „Raggare Is A Bunch Of Motherfuckers“ und „Stranglers“ zwei 7″es veröffentlicht, auf denen geradezu Protohardcore drauf war. 1982 -als dann der Rest von Schweden nur noch Råpunk kannte- wurden The Rude Kids dann lustigerweise bedeutend softer und veröffentlichten dieses geile Cover Des Freddie Cannon Songs Palisades Park. Auch die B-Seite „Stadsbarn“ ist geiler Fifties/Early Sixties Pop, der den Shitlickers und Avskum sicher Boots und Nietenjacke ausgezogen haben dürfte!

You‘ll never know how great a kiss can feel ’till you‘re stopped at the top of a ferris wheel!

v.a. Too Junk To Fuck

Ist es eigentlich schlechter Stil, zwei Bootleg Compilations nach einander zu posten? Egal, schon passiert! Auf der Too Junk To Fuck LP sind fünf alte US-Hardcore EPs wiederveröffentlicht worden:

- die 7″ „Soundtrack For Trouble“ der Authorities mit dem Überhit „I Hate Cops“,
- die „Fighting Boys“ 12″ von Battalion Of Saints, denen man anhören kann, dass sie England geil fanden,
- die Half Skull 7″ Compilation mit Decry, Basic Math, MIA und Love Canal („We hate skateboards and skateboarders!“),
- die leider etwas unterproduzierte aber geile self-titled 7″ von Decry
- und den geilsten Scheiß überhaupt, die (ebenfalls leider etwas unterproduzierte) self-titled der genialen Rebel Truth.

Too Punk To Junk?

v.a. Pære Punk

Was auch immer „Birnenpunk“ bedeuten mag, es muss großartig sein! Pære Punk von 1979 ist einfach nur eine scheißgeile Compilation aus der frühen dänischen Punkszene (von der ich leider nur ein Boot aus den Nullern besitze). Einige der Songs der Lost Kids, Sods, Elektrochok und der Brats wurden später auf der genauso geilen Bloodstains Across Denmark LP wiederveröffentlicht. Außerdem gibt’s noch funky Punk von Slim, schönsten Pop von Kliche, etwas rockigen Punk von Dream Police (ihr Song „Bubbles“ wurde später von Harnröhrer als „Manchmal hab ich’s satt“ gecovert), und eine brutale, schwer verdauliche Dekonstruktion des Bluesrock von No Knox.

Antisocial Mongoloids?

Crass – Merry Crassmas 7″

Wer Crass nicht liebt, wird gnadenlos von meiner Weihnachtskartenliste gestrichen! Alle anderen dürfen sich an der großartigen Family Fun Competition erfreuen, und über dreißig Jahre zu spät versuchen, aus dem Casiogepiepe die richtigen Songs von Crass herauszuhören.

1ST PRIZE: BATHSALTS, 2ND PRIZE: ONE EXPLOITED SINGLE, 3RD PRIZE: TWO EXPLOITED SINGLES. HAVE FUN.

Lots and lots of jolly fun!

v.a. Bloodstains Across California

Die Bloodstains-Compilations sind ja sowieso LPs der Superlative, und da Kalifornien noch einmal sein eigener Superlativ ist, was Punk und HC angeht, sind die Bloodstains Across California somit ein Superlativ der Superlative: Punk^punk, sozusagen. Deshalb beinhaltet die LP auch den objektiv besten Punksong aller Zeiten, mit dem objektiv besten Text aller Zeiten, von der Band mit dem objektiv besten Bandnamen aller Zeiten:

If you think I‘m talking about „Bloodstains“, I‘m gonna punch you in the face!

Klischee – Normalzustand LP

Auch wenn Karl Nagels „Alte Kameraden“ der Meinung waren, Hannover sei eine „Scheißstadt“, hat sie doch Unmengen geiler Punkplatten hervorgebracht. Normalzustand von Klischee ist eine davon. Außerdem ist sie dank des sympathisch vor sich hin holpernden Schlagzeugers auch ein Meilenstein des Dilettantismus. Die anderen Musiker waren da schon etwas kompetenter und sogar dazu in der Lage, in ihren Songs Reggaeparts unterzubringen, die tatsächlich cool sind anstatt zu nerven (I‘m looking at you, HR!). Textlich charmant gegen Bürger, Bullen und Nazis, außerdem (etwas weniger charmant) für Selbstbefriedigung. Hmm. Leider gibt es die Texte nicht nachzulesen, denn bei meiner Platte war kein Textblatt mehr dabei.

Schickieschweinebonzen, wir zerschlagen euren Staat, dann wird’s für euch hart!